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Friedhold Stahlheber im Interview

Friedhold Stahlheber, Gründer von Polyfibre

4⁄2011 | Tennismagazin

"Keiner ist so verrückt wie ich" – Friedhold Stahlheber im Interview

Friedhold Stahlheber, Gründer des Saitenherstellers Polyfibre, spricht im Interview über aktuelle Trends auf dem Markt und seine grenzenlose Liebe zur Saite

Saiten sind seine große Leidenschaft. Wenn Friedhold Stahlheber über seinen Beruf spricht, dann ist er kaum zu bremsen. "Was ich mache, das mache ich richtig", sagt er. Man merkt dem 55-jährigen ehemaligen Bäckermeister aus dem hessischen Pohl an, dass er dieses Motto auch lebt.

Herr Stahlheber, noch vor einigen Jahren waren Sie hauptberuflich Bäcker und haben Ihr Unternehmen Polyfibre nebenbei in Ihrer Backstube aufgebaut. Was hat sich seitdem verändert?
Die Bäckerei gibt es seit vier Jahren nicht mehr. Meine Berufung habe ich zum Beruf gemacht. Polyfibre hat sich zu einem internationalen Unternehmen entwickelt. Wir vertreiben heute über 30 verschiedene Saiten in 40 Ländern weltweit. Die Backstube haben wir zu einem kleinen Sportshop umgebaut. Dort verkaufen wir unsere Saiten und bieten auch einen Besaitungsservice an. Es gibt viele Tennisbegeisterte im Umland, die sich hier die Schläger bespannen lassen.

Was ist das Besondere an den Saiten, die Sie herstellen?
Früher haben wir nur Polyestersaiten entwickelt, inzwischen stellen wir auch multifile Saiten her. Wir wollen Produkte schaffen, die es auf dem Markt sonst nicht gibt. Die meisten Polyestersaiten sind starr und wenig elastisch. Bei Hobbyspielern führen diese Modelle oft zu Armbeschwerden. Deswegen haben wir Polyestersaiten entwickelt, die elastischer sind und trotzdem eine gute Haltbarkeit haben.

Welchen Spielern empfehlen Sie "Polys" und welche sollten auf "Multis" zurückgreifen?
Multifile Saiten sind für ältere Freizeitspieler geeignet, die nicht so häufig auf dem Platz stehen und ihre Rackets nur selten bespannen lassen. Die Haltbarkeit dieser Saiten ist nicht so groß, dafür ist der Komfort besser. "Polys" empfehle ich Spielern mit einem hohen Saitenverschleiß, da das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut ist.

Wie beurteilen Sie den Trend der Hybrid-Bespannungen, die viele Profis benutzen?
Von diesen Saiten halte ich wenig. Hybrid-Bespannungen, die längs und quer aus unterschiedlichen Elementen bestehen, verwendet man, wenn eine Saite besonders hart ist. Diese Komponente soll durch ein elastisches Element ausgeglichen werden. Allerdings nutzen sich die Saiten unterschiedlich schnell ab. Wer seinen Schläger nicht regelmäßig neu besaiten lässt, hat an einer Hybrid-Bespannung keine lange Freude. Ideal ist ein Modell, das die Hybrid-Eigenschaften in einer Saite vereint.

Glauben Sie, dass es jemanden gibt, der Ihre Liebe zur Saite ähnlich intensiv teilt?
Nein, keiner ist so verrückt wie ich. Saiten sind zu meinem Lebensinhalt geworden. Ich glaube, niemand beschäftigt sich so intensiv mit den Materialien und Eigenschaften einer Saite wie ich. Die meisten haben kein Interesse an der Forschung. Die schauen sich nur die Farben an. Man sollte sich viel mehr Gedanken machen, was die Leute brauchen, daraus eine Vision entwickeln und diese zielstrebig verfolgen. Das versuche ich.

Interview: Felix Grewe